Mein Hund hat Epilepsie – was nun?

Das Archy Epileptiker ist, habe ich euch bereits in diesem Blogbeitrag erzählt. Wie sieht das nun aus? Welche Ausprägungen gibt es? Was muss bei der Medikamentengabe berücksichtigt werden? Worauf muss ich sonst noch achten? Wie kann man sich helfen?

Ich gebe euch hier einen kleinen Einblick, was ich alles über diese Krankheit gelernt habe und wie wir uns das „Management“, den Alltag und das Leben mit Archy’s Diagnose erleichtern. Es ist ein rein persönlicher Bericht und darf keiner tierärztlichen Konsultation gleichgestellt werden.
Bei Fragen wendet euch bitte an den Tierarzt eures Vertrauens.

Epilepsie – was bedeutet diese Diagnose?

Diese Diagnose bedeutet, dass die Nervenzellen leichter erregbar sind und es dadurch zu Krampfanfällen kommen kann. Die Krankheit ist leider NICHT heilbar, aber mit einer guten medikamentösen Einstellung kann der Hund trotzdem ein erfülltes Leben führen und auch ein hohes Alter erreichen.

Was ist der Ursprung der Krankheit?

Die Krankheit wird in primäre und sekundäre Epilepsie eingeteilt.

Die primäre wird auch idiopathische Epilepsie genannt. Hier kann keine genaue Ursache festgestellt werden. Darum geht man davon aus, dass sie genetisch bedingt ist. Die ersten Anfälle können bereits im ersten Lebensjahr auftreten.

Häufig betroffene Rassen sind:

  • Labrador und Golden Retriever
  • Australian Sheperd
  • Border Collie
  • Boxer
  • Magyar Viszla
  • Pudel
  • Dackel
  • Beagle
  • Mops

Die sekundäre oder auch symptomatische Epilepsie kann durch diverse Krankheiten ausgelöst werden. Tumore, Stoffwechselerkrankungen oder auch Vergiftungen können Auslöser für Krampfanfälle sein.

Epilepsie hat leider viele Gesichter und kaum ein Krankheitsverlauf gleicht dem Anderen. Daher sollte immer individuell mit dem Tierarzt eine passende Therapie abgesprochen werden.

Welche Anfallsarten gibt es?

Krampanfälle können in unterschiedlicher Ausprägung auftreten. Fokale Anfälle können sich zum Beispiel in leichten Gesichts- oder Gliedmaßenzuckungen äußern. Ein sogenannter Generalisierter Anfall (früher als Grand Mal bekannt) führt zu einer Versteifung der Muskulatur und bringt den Hund zum Umfallen. Rudernde/paddelnde Bewegungen der Gliedmaßen, übermäßiges Speicheln, Urin- und Kotabsatz können normale Begleiterscheinungen sein.

Diese generalisierten Krampfanfälle dauern wenige Minuten an. Sollte der Krampf länger als 5 Minuten dauern, spricht man von einem Status Epilepticus. Ein unverzügliches Aufsuchen des Tierarztes ist hier dringend zu empfehlen, da dem Körper durch die lange Dauer eine Überhitzung droht und auch das Gehirn Schäden davon tragen kann.

Wenn mehr als 2 Anfälle innerhalb von 24 Stunden stattfinden, spricht man von Cluster oder Serie. Bei mehreren generalisierten Anfällen innerhalb kurzer Zeit, ist eine rasche Konsultation des Tierarztes bzw. einer Tierklinik sehr zu empfehlen.

Was tun, wenn ein Krampfanfall kommt?

Ruhig bleiben! Auch wenn das definitiv leichter gesagt als getan ist, bringt es dem Hund nichts, wenn man komplett die Nerven verliert. Und auch wenn der Krampfanfall für uns furchtbar zum Ansehen ist und man schrecklich mitleidet, ist der Hund bei einem Grand Mal in den allermeisten Fällen ohne Bewusstsein. Das heißt, er bekommt davon nichts mit.

Weiters sollte man, so gut wie möglich, den Hund sichern, um ihn vor Verletzungen zu schützen. Darunter fällt zum Beispiel: Couchtische mit eckigen Kanten außer Reichweite schieben oder Treppen absichern. Da der Patient nicht nur mit seinen Gliedmaßen rudert, sondern auch sein Kiefer nicht unter Kontrolle hat, sollte man die Hände vom Kopf fern halten.

Da Krampfanfälle gerne aus dem Schlaf beginnen, gilt es aufzupassen, dass der Hund nicht von der Couch bzw. aus dem Bett fällt. Sofern er dort sein Nickerchen machen darf 😉
Für den Epileptiker ist es zusätzlich sehr hilfreich das Licht & den Fernseher bzw. andere Geräuschquellen abzuschalten.

Wir haben uns außerdem Welpen-Windelauflagen besorgt, die wir unter Archy schieben, wenn er krampft. Da er meistens uriniert, vermeiden wir so eine Flut am Boden, Teppich, Bett usw.

Wenn ein Notfallsmedikament zuhause ist, sollte man es bei der Hand haben.
Es wird auch empfohlen den Anfall zu Dokumentieren. Dafür muss man allerdings schon wirklich Nervenstärke beweisen. Tierärzte können aber aus Videos einiges herauslesen und die weitergehende Behandlung kann dadurch unterstützt werden.

Entweder schafft es der Hund aus dem Krampfanfall raus zu kommen. Dann sollte man sich darauf einstellen, dass Unruhe bzw. Zwangswandern eintritt oder andere Hunde schlafen tief & fest. Endet der Anfall nicht, sollte man sich schnell zum Tierarzt oder in die Tierklinik begeben.

Was gilt es bei der Medikamentengabe zu beachten?

Wir haben als Notfallsmedikament Diazepam zu Hause. Diese Tuben können während eines Anfalls rektal gegeben werden, um so die Nervenzellen wieder zu beruhigen.

Ab einer gewissen Häufigkeit an Anfällen, wird meist mit einer medikamentösen Therapie gestartet. Wir wollten bei Archy auch abwarten, aber nach dem er bei uns mit einem Status Epilepticus und folgend einer Serie eingestiegen ist, blieb uns nichts anderes übrig.

Wir verabreichen ihm 2x täglich ein Phenobarbital. Es wird empfohlen, dieses nüchtern zu sich zu nehmen, um die bestmögliche Aufnahme der Wirkstoffe zu gewährleisten. Nebenwirkungen, wie übermäßigen Hunger (bei Archy ein Dauerzustand), erhöhtes Trinkbedürfnis (dadurch vermehrtes Urinieren), Unruhe oder auch komatöses Schlafen, pendeln sich im Normalfall nach 2 Wochen ein.

Seit der letzten Serie (dazwischen war Archy zum Glück 60 Tage komplett ohne Besuch der Hexe) bekommt er zusätzlich 3x am Tag ein Präparat aus der Humanmedizin, welches Clusteranfälle verhindern soll.

Wichtig bei allen Tablettengaben ist es die Abstände und Zeiten einzuhalten!
So werden Spiegelschwankungen verhindert.

Wie kann man sich das Epi-Management erleichtern?

Archy bekommt also zu 4 Uhrzeiten Medikamente: 7/15/19/23 Uhr.
Wenn’s geht pünktlich auf die Minute. Da steckt schon ein gewisses Management dahinter.
Wir haben also damit begonnen unsere Wecker auf die Tablettenzeiten zu stellen, damit wir immer rechtzeitig erinnert werden.

Archy Wecker

Außerdem haben wir eine Medikamentendose besorgt. So ist alles vorsortiert, wir können die Tabletten nicht durcheinander bringen und wir haben Kontrolle darüber, ob wir es eh nicht vergessen haben.

Wir führen ein „Archy-Tagebuch“, wo alles notiert wird:

  • Anzahl, Ausmaß, Länge, Datum der Anfälle
  • Medikamentendosierung & gegebenenfalls Änderungen
  • sonstige Krankheiten oder Verletzungen + dazugehöriger Behandlung

Ich habe mir zusätzlich eine Countdown App installiert, wo ich genau sehen kann, wie lange Archy frisch & frei unterwegs ist:

Countdown App

Wir wussten ja das Archy Epilepsie hat, allerdings hat uns das Ausmaß mit Status Epilepticus und Serie schon von den Socken gehaut, wie man so schön sagt… Anfangs waren unsere Nerven ziemlich dünn und ich muss gestehen: wir waren nicht sicher, ob wir das alles Durchhalten.

Was mir/uns sehr geholfen hat, ist sich in das Thema einzulesen und zu recherchieren. Es gibt eine wahnsinnig tolle Facebook Gruppe, wo ich sehr viele hilfreiche Tipps nachlesen konnte. Leider sind auch einige Tierärzte bei dieser Diagnose etwas überfragt bzw. behandeln sie nach dem 08/15 Schema. Spezialisten auf dem Gebiet Neurologie sind in Österreich dünn gesät. Allerdings haben wir inzwischen ein gutes Netzwerk an Ärzten gefunden, die uns & Archy kompetent betreuen.

Ausschlafen gibt’s also keines mehr. 😉 Aber die Hauptsache ist, dass Archy einfach IMMER happy ist, er zur Familie gehört & wir soviel von ihm zurück bekommen. Und außerdem kann man sich sonntags ja trotzdem nochmal mit dem Lieblingsmenschen und den Fellnasen zusammen kuscheln und nachdösen ♥

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